Zur Geschichte und Verbreitung der Träger des Namens  K ö l b e l und ähnlicher Na­mensformen von Heinrich Kölbel, 1943, bearbeitet von Wolfgang Kölbel, 2011 wkoelbel@ googlemail.com

 

K ö l b e l gehört zu folgender der Entstehung nach eng verwandten Gruppe:

K o l b e, K o l b, K ö l b i n g, K ö l b e l, K ö l b l, K ö l b l i n, K ö l b l e i n, K ö l b l e.

Wie aber ein Blick in Telefonbücher  (besser CD/DVD Telefonbuch Gesamtnamensverzeich­nis Deutschland) zeigt, sind diese Namen (nebst einigen anderen Schreibarten) so häufig, dass eine Bearbeitung dieses ganzen Forschungsgebietes uns ins Uferlose führen würde, zumal die Blutsverwandtschaft der Träger verschiedener Namensformen meist unwahr­scheinlich ist.

Wir lassen daher die K o l b e , K o l b , und K ö l b i n g beiseite und beschränken uns auf die übrigen, die sämtlich Verkleinerungsformen         der Grundform „Kolbe“ mit den hochdeut­schen Verkleinerungsendungen el, l, lin, lein, le (nicht mit den niederdeutschen ken, ke, chen, usw.) darstellen.

Zur Deutung der Namen K o l b e , K ö l b e l und verwandter Formen

Eine der ersten Fragen, die sich für den Familienforscher ergeben, ist die Frage nach der Ableitung und Deutung seines Namens. Nicht allen ist es so leicht gemacht wie den M ü l l e r , S c h u l z e und       L e h m a n n, deren Namen  sich       von selbst oder durch kurzes Nach­denken oder Nachschlagen in einem geeigneten Wörterbuche erklären. So bestehen auch für den Namen K ö l b e l und die ihm ähnlichen eine ganze Reihe von Deutungsmög­lichkeiten, von denen die richtige erst durch eingehendes Studium der Vergangenheit viel­leicht einmal festgestellt werden kann; dabei ist noch zu bedenken, dass nicht für alle Famili­en gleichen oder ähnlichen Namens die gleiche Deutung zu gelten braucht, da nicht alle Fa­milien miteinander verwandt sein müssen.

Der Name K ö l b e l gehört zu einer Gruppe von Namen, die sämtlich von einer Form „Kol­be“ abzuleiten sind. So entstand durch Anhängung der Silbe „ing“, die ähnlich wie „sohn“ und „senbei F r i e d r i c h s o h n , J a n s s e n , die Herkunft vom Vater kennzeichnet, der Name K ö l b i n g . So wurden als Verkleinerungsform die Namen K ö l b e l , K ö l b l , K ö l b l i n , K ö l b l e i n und K ö l b l e in ihren verschiedenen Schreibarten gebildet.

Wir wollen nun ein wenig in die Grundzüge der Namenkunde eindringen:

In der Zeit vor der Einführung des Christentums gab es in Deutschland nicht wie heute Vor­namen und Familiennamen, sondern es hatte jeder zunächst nur einen ihm allein eige­nen Personennamen. Solche altdeutschen Personennamen waren meist aus zwei Wort­stämmen aufgebaut, wie Siegfried, Albrecht, Heinrich; seltener bestanden sie, wie z.B. Karl, aus einer Stammsilbe. Diese Art der Namenbildung bot bei der Fülle der zur Verfügung ste­henden Grundsilben und der Möglichkeit, diese umzustellen (z.B. Tristan und Tantris bei RI­CHARD WAGNER), eine derart große Auswahl, dass es unterscheidender  Zusätze, wie sie unsere heutigen Familiennamen darstellen, nicht bedurfte.

Unter jenen altdeutschen Namen finden wir nach FÖRSTEMANN seit dem 8. Jahrhundert einen, C o l o b e r t , mit der Kurzform C o l b o , der später zu K o l b e und K o l b  werden und weiterhin zu den oben genannten Ableitungen führen konnte.

Betrachten wir die beiden Grundbestandteile für sich, so kann man wie FÖRSTER­MANN „Colo-“ mit dem altnordischen „kollir“ = „Helm“ in Zusammenhang bringen. Doch be­deutet nach HEINTZE-CASCORBI  die Grundform kullassoviel wie „rundlicher Berggipfel, Kopf“, wovon sich jenes nordische Wort für „Helm“ und das mittelniederdeutschekol“, kolle“, das „Kopf“ und „Oberteil von Pflanzen“ bedeutet, herleiten.  Die Silbe „-bert        führt FÖRSTEMANN auf   das altdeutsche „berhta“ zurück, das „hell, glänzend“ bedeutet. Man kann also C o l o b e r t etwa als den „Helmglänzenden“, den „Hellhäuptigen“ oder dergl. deuten. Aber diese Deutungsmöglichkeit steht nicht allein.

Mit der Christianisierung hielten fremde Personennamen, meist von Heiligen entlehnt, ihren Einzug. Zugleich verloren durch Lautumwandlungen und durch das Vordringen des Christen­tums die alten deutschen Namen an Anschaulichkeit. Einige von ihnen, die als Namen von Fürsten besondere Bedeutung erlangt hatten, wurden bevorzugt. Schließlich stand nur noch eine verhältnismäßig geringe Anzahl gebräuchlicher Namen, teils deutschen, teils fremden Ursprungs, zur Verfügung, und es erhielten viele, gelegentlich sogar Geschwister     den glei­chen Namen. Nunmehr musste  man die Träger gleicher Namen durch Zusätze unterschei­den, die aber zunächst noch nicht erblich waren. Erst dadurch, dass solche Beinamen vom Vater auf den Sohn übergingen, entstand, beginnend  kurz vor 1200 und fortschreitend im 13. und 14. Jahrhundert, z.T. bis in die Neuzeit hinein, die Hauptmasse         der Sippen-          oder Fa-miliennamen. Die Beinamen wurden teils nach der Herkunft des Trägers, also nach Orts- oder Örtlichkeitsnamen (z. B. C r e u t z b u r g, am Ende),  teils nach Stand, Amt, Beruf oder Gewerbe (z.B. M ü l l e r, M e y e r) gegeben. Zum großen Teile aber waren es sogenannte Übernamen, die in ernsthafter oder scherzender Weise auf irgendeine auffäl­lige Körper- oder Wesenseigenschaft, auf die Tätigkeit, auf irgendein ungewöhnliches Erleb­nis des Trägers, immer also auf eine Besonderheit anspielten. Zum Teil sind es ausgespro­chene Spottnamen. Häufig liegt der Sinn klar auf der Hand; mitunter aber ist er nur den un­mittelbar Beteiligten  verständlich und späterhin ein unergründliches Rätsel, wie dies ja auch heute bei anderen Spitznamen mitunter der Fall ist. Als  einige Beispiele   solcher Übernamen seien hier B r e i t h a u p t, F a u l (p)b e l z, G u t k i n d,          B r a u s e w e t t e r, genannt. Fragen wir uns, wie K o l b e , K ö l b e l und ähnliche Namen als Beinamen entstanden sein könnten, so bieten sich uns in dem Worte  "Kolbe" (althochdeutsch "chol­bo")           eine  große Reihe von Möglichkeiten, die wir in der Hauptsache dem Deutschen Wör­terbuch der Gebrüder GRIMM als der maßgebenden Quelle entnehmen (http://germazope.uni-trier.de:8080/Projekte/WBB2009/DWB/wbgui_py?lemid=GA00001).

Ein Teil der Bedeutungen von "Kolbe" berührt sich eng mit der oben erwähnten von "kol" = "Kopf, Oberteil von Pflanzen". Vielleicht ist, wie schon die GRIMMs andeuten, die Bedeutung "Kopf" überhaupt die ursprüngliche. So bedeutet "Kolbe" den menschlichen Kopf. dann auch besonders das Haar, den Haarschopf, dann eine bestimmte männliche Haartracht des 16. Jahrhunderts, wie sie ursprünglich den Narren kennzeichnete, später allgemein Mode wurde und noch in neuerer Zeit bei mitteldeutschen Bauern vorkam (vgl. auch "Kolbe" im Großen Brockhaus),           schließlich       aber    gar            den     Kahlkopf        (auch "Kölblein").    Dass   aber zum unterscheidenden Beinamen nicht so sehr der allen gemeinsame Kopf oder das Haar oder die Modetracht, eher vielleicht ein auffallender Glatzkopf Anlass   gegeben haben könn­te, dürfte ohne Weiteres einleuchten.

Die gewöhnliche Bedeutung von "Kolbe" ist aber die von "Keule"; das Wort bezeichnet eine Menge von keulenförmigen Gegenständen, oft aber, und dies ist vielleicht der ursprüngliche­re Sinn, nur das dicke, "kolbige" Ende der Dinge, also entsprechend  der Bedeutung "Kopf". Es ist  einmal            die Keule als Waffe, die zur Deutung unserer Namen und als Wappenbild her­angezogen wurde. Sie war als Keule oder Knüttel die einfachste Waffe überhaupt, wurde aber auch als förmliche Waffe, als Streitkolben, vom gemeinen Mann, ja vom Ritter getragen und im Turnier erprobt, auch künstlich hergestellt und mit Nägeln und Spitzen und derglei­chen ausgestaltet. So zogen nach einem Hinweise von Herrn FRIEDRICH KÖLBEL, Mann­heim, in der           Schlacht bei  Sempach (Schweiz 1386)   die "Keulbel" oder Keulenträger dem Herzoge schützend voran. Doch wurde die Kolbe oder der Kolben auch zur Waffe und gleich einem Szepter zum Abzeichen des Narren neben der allbekannten Kappe, desselben Nar­ren, den ursprünglich auch jene gleichfalls "Kolbe" genannte Haartracht zierte. Aber auch als friedliches Werkzeug zum Schlagen, Stoßen und Reiben, als Hirtenstab, als Treibstecken des  Ochsenhändlers, als Stange des Fischers, als Brunnenschwengel, ja als Stockla­terne finden wir den Kolben oder die Kolbe wieder, in vielerlei Gestalt auch in der Technik, wie wir alle wissen.

Um zu zeigen, wie zahlreich allein auf einem eng begrenzten Gebiet, in der Hütten- und Schmiedeindustrie, die Kolben und Kölbel sind, seien folgende Bedeutungen erwähnt: Kol­ben heißt in den Eisenhämmern  ein einseitig bearbeitetes und daher kolbenförmiges Ei­senstück, wie es als Zwischenprodukt beim Aushämmern des Roheisens zum Stabeisen ent­steht. In der Blechschmiede nannte man Kölbel die Eisenstücke, die vom Stabeisen ab­geschrotet und dann zu Blech ausgehämmert- oder gewalzt wurden (RICHTER, HART­MANN). Kölbel- oder Kölberlstahl hieß der Rohstahl, wie er in Form einer     kleinen Flasche im Frischfeuer entstand (nach dem Großen Brockhaus).  Für die Namengebung aller­dings dürften diese Dinge weniger von Bedeutung sein; es sei denn, dass einmal der Kölbe­laufgeber- oder aufheber (vgl. TOLHAUSEN, MATTHES), das ist ein Handlanger,      der die Kölbel zur Schmiede trägt, Pate gestanden habe.

Kölbel oder Külbel heißt auch das flaschenförmige Glasgebilde, das an der Pfeife des Glas­bläsers entsteht und   die Urform des Fensterglases und aller jener Flaschen und Kol­ben bildet, die im täglichen Leben und in der Chemie eine Rolle spielen. Kolbe nennt man das Werg in  der Seilerei.

Kolbe oder Kolblein heißt die Schnuppe am brennenden Docht, der Butzen an einem Ge­schwür, das Geschwür oder ein krankhafter Auswuchs überhaupt - wieder etwas, was der nicht immer taktvollen Spottsucht des Volkes Stoff zu einem Spitznamen gegeben haben könnte.

Bei den Pflanzen bezeichnet man als Kölblein die Stempel in der Blüte, als Kolben oder Kölb­lein eine Form des Blütenstandes, so im einzelnen der des Rohrkolbens, den Maiskolben, die Ähre des Weizens (in Sachsen), aber auch den Blütenstand der Hirse, die Kätzchen der Nussbäume, die Samenkapsel des Mohns und danach in der Schweiz den Mohn selbst, auch den Krautkopf (in Sachsen). Kolb heißt die Zwiebel der Zwiebelgewächse (Lauchkolb). So wie der Mohn tragen auch einige andere Pflanzen in ihrer Gesamtheit den Namen Kol­ben, so der allbekannte Rohrkolben (Typha latifolia), der auch alssssss Wappenbild ange­wandt wurde, mit dessen Blütenstand hier und da die Dorfjugend ihre ersten Rauchversuche machtheißt auch Sumpfkolbe, Teichkolbe,  Wasserkolbe, Lieschkolbe, Deutelkolbe oder Narrenkolbe; soll man ihn doch tatsächlich einst den Narren als ihren Szepter oder Kol­ben (vgl. oben !) in die Hand gegeben haben. Kolben-, Kölblein- oder Kölbchengras heißen nach dem Großen Brockhaus der Fuchsschwanz  Phleum         nodosum und das verwandte Phleum pratense. Kölbleinkraut nennt man das Blutkraut oder Drachenblut  (Sanguisorba). Schließlich  trägt nach freundlicher Mitteilung von Herrn FRANZ KÖLBL, Wien l0l/XV, die Al­penpflanze Kohlröschen (Nigritella  arngustifolia) in  der Steiermark allgemein den Volksname Kölbl; für die gleiche Orchideenart gibt MARZELL die bayrisch-österreichische Bezeich­nung Bergkölbl und die schweizerische Rus-Chölbli an.

Verbreitung der Namensträger und die Herkunft unserer Vorfahren

Von den Verkleinerungsformen überwiegen, wenn man ganz Deutschland betrachtet, die K ö l b e l            und K ö l b l bei Weitem. Auf Grund der Schreibart kann man K ö l b l in Bayern und Österreich vermuten. Ein zweites K ö l b e l-Gebiet könnte allenfalls im Elsass liegen, da auch dort die Verkleinerungsendung -el herrscht.

Da Österreich  von Bayern   her besiedelt wurde, nimmt die Verbreitung über beide Gebiete nicht wunder. Das Kerngebiet der heutigen Verbreitung und vielleicht das Ausgangsgebiet sind die Regierungsbezirke Niederbayern-Oberpfalz und Oberbayern. Ohne weiteres verall­gemeinert werden darf dies aber nicht. Denn wenn z.B. ein K ö l b e l aus Mittel­deutschland nach Österreich zog, so wird ihm leicht in den dortigen Kanzleien und Kirchen­büchern das „e“ verlorengegangen sein, wofür später ein Beispiel folgt. Es gibt allerdings auch dort einige K ö l b e l .

Die K ö l b e l sind, wie schon gesagt, in Ostfranken am Häufigsten. Dazu gehören mundartlich auch das Vogtland und ein Teil des Erzgebirges. Gerade im Vogtland sind die K ö l b e l verbreitet wie in keinem anderen Teil Deutschlands. Die größte Häufung inner­halb des Vogtlandes zeigten die Kreise Plauen und_ Auerbach und hier wieder die nähere Umgebung von Treuen [1943].

Die Einsendungen der Namensvetter K ö l b e l aus verschiedensten Teilen Deutschlands und zahl­reichen Funde im Schrifttum bestätigen die aus der heutigen Verbreitung naheliegende     Ver­mutung,            dass    das Vogtland das Hauptausstrahlungsgebiet der K ö l b e l we­nigstens für die Zeit nach dem 30-jährigen Kriege sei, der ja oft der Forschung eine Grenze setzt. Die einzige jetzt vorlie­gende bis ins 16. Jahrhundert zurück erforschte Stammlinie vogtländischer K ö l b e l führt nach Altmannsgrün bei Treuen zurück, und in dieser Gegend enden auch einige        der übri­gen, weniger weit verfolgter Linien, ganz entsprechend der heutigen Häufung der Namens­träger. Bekannt, wenn auch nicht in ihrer Nachkommenschaft bis in die Gegenwart erforscht, sind K ö l b e l  auch vor dem 30-jährigen Kriege aus verschiedenen Teilen des Vogtlandes. Sie sind also nicht erst als Exilanten aus Böhmen eingewandert, sondern wenigstens schon zum Teil schon bis weit ins
16. Jahrhundert zurück im Vogtlande ansässig. Da diese im Zuge der ostdeutschen Kolonisation seit dem 12. Jahrhundert von Deutschen wieder besie­delt wurde, dürften unsere vogtländischen Vorfahren mit einigen Ausnahmen als Kolonisato­ren gekommen sein; diese     stammten aber vorwiegend aus dem benachbarten Oberfranken (LEIPOLDT). Wenn es auch nicht ausgeschlossen ist, dass ein Teil von ihnen den Namen K ö l b e l erst nach der Umsiedlung erhielt, so ist es doch immerhin eine gewis­se Bestätigung für die oberfränkische Herkunft, dass schon im 12. Jahrhundert K ö l b e l als Patrizier in Nürnberg lebten, wie eine freundliche Mitteilung  von  Frau ALICE KOELBEL, Leipzig, und ein Rundschreiben von Herrn FRIEDRICH KÖLBEL, Mannheim, besagen. Auch diese Nürnberger            Patrizier dürften ursprünglich aus der Landbevölkerung Oberfrankens hervorgegangen sein, und zwar, wie wohl auch die vogtländischen K ö l b e l, wahrscheinlich aus dem nordöstlichsten Teil des Gebietes, soweit dieser von Slawen unbesiedelt geblieben war. Die engere Umgebung Nürnbergs ist wohl kaum als Wiege der K ö l b e l anzunehmen, weil dort nicht die Verkleinerungsendung „-el“, sondern „-la“ gebräuchlich ist, der Name also dann „K ö l b l a“ lauten sollte.

Ein adliger Zweig der K ö l b e l , der aus dem Patriziertum des sächsisch-böhmischen Grenzgebiet hervorging, wurde nach HALLWICH ( 1867) unter dem Namen K ö l b e l aus dem hohen Hause v o n G e y ß i n g erstmals am Ende des 14. Jahrhunderts ur­kundlich erwähnt; Angehörige dieser Familie spielten nochmals in Böhmen und Sachsen als Bergherren und Besitzer zahlreicher Güter und Ortschaften eine bedeutende Rolle /HALL­WICH 1867, 1868. Verschiedene Adelslexika). Auch die Vorfahren der K ö l b e l      v o n  G e y s i n g     sollen, wie Frau ALICE KOELBEL mitteilt, nach Forschungen des verstorbenen Pfarrers FRIEDRICH KÖLBEL, Bad Suderode, wahrscheinlich von den Nürnberger K ö l b e l abstammen, auch sie wären damit letzten Endes  oberfränkischer Her­kunft. Den größten Teil von ihnen wie von anderen böhmischen K ö l b e l vertrieb der 30-jährige Krieg aus Böhmen, vor allem flohen sie nach Sachsen, so dass ein Teil der sächsi­schen Namensvettern von solchen Auswanderern abstammen mag. Der Adelsstand der böh­mischen K e l b e l      v o n   L ö w e n g r ü n und K ö l b e l           v o n   L ö w e n g r i m m   ist nach HALLWICH (1867) zweifelhaft.

Die K ö l b l i n und K ö l b l e kann man auf Grund der Namensen­dung wohl im alemannisch-schwäbischen Südwestdeutschland erwarten, was ebenfalls durch die Adressbücher bestätigt wird. Die wenigen Mitteilungen südwestdeut­scher K ö l b l e deuten ebenfalls auf eine Herkunft von dort vor allem auf das badische Gebiet hin.

Kommen wir zur Zoologie, so bedeutet „Kolben“ die Keule, den Hinterschenkel des Tieres, "Kölblein" die Hühnerkeule. Kolben nennt der Weidmann das unfertige, noch weiche und un­verzweigte Geweih des Hirsches oder Gehörn des Rehbockes, Kolbenhirsch den Hirsch, der ein solches trägt. Ein kleiner keulenförmiger Fisch heißt Murkolbe oder Rotzkolbe . Aber auch ein zwei- bis dreijähriger Stier wird nach dem Großen Brockhaus Kolb genannt. Ja, wie aus dem Lamm das Lämmel, so könnte vielleicht einmal aus einem Kalb ein Kälbl und weiter ein Kelbl geworden sein; tatsächlich könnte doch das „e“ der K e l b e l und K e l b l i n eben so gut aus “ä“ wie aus „ö" entstanden sein; führt doch sogar ein K ö l b l das Kalb als Wappentier.

Kehren wir noch einmal zum Menschen zurück, so kann „Kölbel" nach „PRECHENMACHER in übertragenem Sinne einen „kurzen, dicken, derben Menschen“ be­deuten, ganz ähnlich wie das sinnverwandte         Wort „Schlegel“. In die­ser Bedeutung soll der Ausdruck als Spitzname häufig sein. Hier reiht sich der ostmär­kische Übername P l a k o l m, gleich „Bleikolben", mit dem Sinne "schwerfälliger Mensch“ an "(ORTHNER).

Alles dies muss man sich einmal durch den Kopf, gehen lassen, um zu sehen, wie mannig­faltig die Anwendung von "Kolbe, Kölblein, Kölbel" usw. in unserer Muttersprache ist und wie viele Deutungsmöglichkeiten berücksichtigt werden müssen. Gewiss scheiden von den angeführten Bedeutungen manche als unwahrscheinlich für die Namengebung aus, da nicht recht einzusehen ist, warum sie gewählt worden sein sollten, wie z. B. die Blü­tenstempel oder das junge Hirschgeweih. Doch auch wenn man von solchen absieht, blei­ben noch einige zur Auswahl: Der altdeutsche Personenkurzname Colbo, der auffallende Kahlkopf, der Streitkolben als Waffe, vielleicht aber auch als boshafte Anspielung auf das Szepter des Narren, irgendein kolbenförmiges Werkzeug, ein auffallender Körperauswuchs, dessen sich der Spott bemächtigte, die Kennzeichnung der Gestalt und des Wesen als eines „kurzen, dicken, derben Men­schen“.

Gegenüber der einfachen Form K o l b , K o l b e kann die Verkleinerung zu K ö l b l e i n , K o l b l i n , K ö l b l e , K ö l b l , K Ö l b e l auf die Kleinheit der Gestalt anspielen oder auch eine gewisse Koseform bedeuten (vgl. Mutter Muttel).

Auf jeden Fall sind die Namen K o l b e  und K ö l b e l recht alt. Beide sind bereits aus dem 12. Jahrhundert bekannt, aus einer Zeit also, in der die Bildung der eigentlichen Familienna­men erst einsetzte. Dieses frühe Auftreten ist ein weiteres wichtiges Kriterium für die An­wendbarkeit      der verschiedenen Deutungen.  Denn  die Zeitgenossen des 12. Jahr­hunderts können beispielsweise den Namen nicht nach der „Kolbe“ genannten Haartracht erhalten haben, die erst im 16. Jahrhundert eine Rolle spielt, ganz zu schweigen von den Kolben der modernen Technik.

Angeführte Schriften

BRECHENMACHER, J.K. : Deutsche Sippennamen. Ableitendes Wörterbuch der deut­schen Familiennamen. I. - V. Teil. Sippenbücherei, _5 - 9_, 1516 Spalten.  Görlitz (C.A. Starke) 1936.

FÖRSTEMANN, E.: Altdeutsches Namenbuch, 1, Personennamen.

2.Aufl. Bonn (P. Hanstein) 1900.

GRIMM, J. & GRIMM, W.:    Deutsches Wörterbuch, 5. Leipzig

(S. Hirzel) 1873.

Der Große Brockhaus. Handbuch des Wissens in 20 Bänden.

15. Aufl., 10. Leipzig (F. A. Brockhaus) 1931.

HARTMAITN, C.: Handwörterbuch der Mineralogie, Berg-, Hütten-  und Salzwerkskunde, nebst    der französischen Synonymie und einen französischen Register. Teil I u. II. Ilmenau 1825.

HEIKTZE-CASCORBI:        Die      deutschen     Familiennamen        geschichtlich, geogra­phisch, sprachlich. - Halle/S. - Berlin 1933.

MARZELL, H.: Neues illustriertes Kräuterbuch. Eine Anleitung zur Pflanzenkenntnis un­ter besonderer Berücksichtigung der in der Heilkunde, im Haushalt und in der Industrie ver­wendeten Pflanzen, sowie ihrer Volksnamen.       2. Aufl. Reutlingen (Enßlin & Laiblin) 1923.

MATTHES, E. Illegale Auswanderung sächsischer Hüttenarbeiter nach Süddeutschland. - Archiv f. Sippenforschung, 17, S. 129 - 135.          Görlitz 1940.

ORTHNER, W.:         Ostmärkische Sippennamen. Görlitz (C.A. Starke) 1941.         (Referat in Familie, Sip­pe, Volk,         9, H. 2, S. 19 - 20, Berlin 1943.)

RICHTER, C. F.:       Neuestes Berg- und Hütten-Lexikon oder alphabetische Erklärung aller bei dem Berg- und Hüttenwesen vorkommenden Arbeiten, Werkzeuge und Kunstwörter. 1. Leipzig 1805.

TOLHAUSEN, A. & L.: Technologisches Wörterbuch in französischer, deutscher und engli­scher Sprache, Teil III, 9. Aufl. Leipzig 1924.

 

Anmerkung von Wolfgang Kölbel: Die hier ursprüngliche Anregung für die „Ahnenforschung“ entstand vermutlich aus der Pflicht, den sogenannten „Ariernachweis“ zu erbringen http://de.wikipedia.org/wiki/Ahnenpa%C3%9F.